Medizinische Versuche - Johann Kremer

 

Spezialist für Vererbungsfragen

Geboren 1883, promovierte Kremer 1914 zum Doktor der Philosophie und 1919 zum Doktor der Medizin. 1929 habilitierte er sich am anatomischen Institut der Universität Münster, wo er sich zum Spezialisten in Vererbungsfragen entwickelte. Im Juli 1932 trat Kremer als einer der ersten Dozenten der Universität Münster der NSDAP bei. 1935 wurde er Mitglied der SS. Bei seiner Ernennung zum außerplanmäßigen Professor 1939 erhielt er einen Lehrauftrag für menschliche Vererbungslehre. Zeugnis von seiner Tätigkeit als Offizier der Waffen-SS im Vernichtungslager Auschwitz gibt Kremers Tagebuch. Dieses Dokument, unter dem Eindruck der Erlebnisse verfaßt, zeichnet ein deutliches Bild der Person Kremers. Gleichzeitig wird hier ein Beispiel gegeben für die ‘Medizin ohne Menschlichkeit’ als praktische Konsequenz von Lehre und Forschung an einer deutschen Universität.

Im Oktober 1941 wurde Kremer, inzwischen Hauptscharführer der Waffen-SS, zu einem Lehrgang ins SS-Lazarett Dachau geschickt. Es folgte seine Beförderung zum Untersturmführer der Waffen-SS und die Berufung zum Beisitzer des Gaudisziplinargerichtes Westfalen-Nord des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes in Münster. An seinem Professorenleben änderte sich zunächst nicht viel. Erst am 29.8.1942 wurde er zum Dienst ins Konzentrationslager Auschwitz versetzt. In Auschwitz-Birkenau war Kremer als SS-Lagerarzt an den als "Sonderaktionen" bezeichneten Mordtaten beteiligt.

SS-Ärzte nahmen an der Auswahl der Menschen, die zur Vernichtung in die Gaskammern geschickt werden sollten, teil, waren unmittelbar an der Tötung dieser Menschen in den Gaskammern beteiligt, indem sie durch ein spezielles gasdichtes Guckloch in der Tür den Verlauf der Vergasung der Opfer beobachteten. Die Türen der Gaskammern wurden erst auf ein Zeichen des Arztes, der festgestellt hatte, daß alle tot waren, geöffnet. An diesen Aktionen nahmen alle SS-Ärzte, die im Lager Dienst hatten, teil.

(Jan Sehn: Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Warschau 1957)

Jerzy Rawicz, der den Kommentar zu Kremers Tagebuch verfaßt hat, kommt aufgrund von Kremers Angaben über die Häftlingstransporte zu dem Ergebnis, daß er in der Zeit vom September bis November 1942 von 12291 Deportierten aus Holland, Frankreich, Belgien, Polen und der Tschechoslowakei 10717 Männer, Frauen und Kinder in den Gastod geschickt hat.

zurueckvorwaerts

Johann Kremer beim Verlassen des Gerichtsgebäudes

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