Die Abschlussdiskussion: Was bleibt...

 

Resümée

Nun liegt die Fahrt nach Auschwitz hinter uns. Sehen wir zurück, so stellen wir fest, daß wir unter großen Vorbehalten nach Polen reisten, daß wir viele Ängste hinsichtlich des Besuchs der Gedenkstätte hegten - vor allem, was die Frage der emotionalen Verarbeitung betraf - und daß wir befürchteten, eine Woche Auschwitz bedeutete eine Woche Trauer und berge die Gefahr sich festsetzender unangenehmer Empfindungen.

Schauen wir nun, wie es uns nach der Fahrt geht: Durch persönliche Begegnungen sind wir den polnischen Menschen ein Stück näher gekommen; unser Interesse an Land und Leuten wurde geweckt und verdrängte viele anfängliche Vorbehalte. Die meisten Teilnehmer der Fahrt werden wieder nach Polen reisen, in das Land, das noch vor zwei Wochen fern und fremd erschien. Unsere Ängste, angesichts des ehemaligen Konzentrationslagers und des damit verbundenen unermeßlichen Leidens emotional überfordert oder von dem Gefühl der Hilflosigkeit überwältigt zu werden, erwiesen sich als unnötig. Dazu trugen die folgenden Rahmenbedingungen bei, welche sich nachhaltig auf eine entspannte Stimmung und die positive Entwicklung der Gruppenbeziehung auswirkten:

 

  • gründliche inhaltliche Vorbereitung einschließlich der ehrlichen Auseinandersetzung mit unseren Befürchtungen
  • ein Rahmenprogramm, das auf Freiwilligkeit basierte
  • eine Gruppenleitung, die auf Eigeninitiative und Verantwortungsbewußtsein eines jeden einzelnen vertraute
  • die Unterkunft in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte, die durch ihre Entfernung zum Lager, ihre freundlichen Räumlichkeiten und großzügigen Außenanlagen mit Grill und Feuerstelle dazu beitrug, eine notwendige Distanz zum Grauen der Vergangenheit aufzubauen
  • die Offenheit, Toleranz, Hilfsbereitschaft und Ernsthaftigkeit der einzelnen Gruppenmitglieder
  • die Begleitung eines Kleinkindes, durch welches unser Blick positiv in die Zukunft gerichtet wurde

So erlebten wir in Auschwitz etwas, was sich vorher keiner hätte vorstellen können: Betroffenheit, Trauer und ernsthafte Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existierten unmittelbar neben Fröhlichkeit, Lagerfeuerromantik und ausgelassenen Musikabenden. Es mag paradox klingen, aber wir haben uns in Auschwitz wohlgefühlt. Eines ist uns deutlich geworden: Um das Vergangene zu begreifen, muß man selbst nach Auschwitz fahren. Unser Museumsführer Jurek Demski hat dies deutlich zum Ausdruck gebracht: Ich kann euch alle Fragen beantworten, aber ihr müßt das hier alleine sehen und in Ruhe auf euch wirken lassen. Bei der Vielzahl von Informationen und Daten behaltet im Herzen, daß hinter jeder Zahl das tragische Schicksal eines einzelnen Menschen steht.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Auschwitz uns verändert hat. Wir haben tiefgreifende Erfahrungen gesammelt und sind um viele Erkenntnisse reicher. Unser Blick ist optimistisch in die Zukunft gerichtet; mit großem Engagement bereiten wir Ausstellungen vor, erzählen von unseren Eindrücken.

Auschwitz hat uns den Mund geöffnet!

Viele Gruppenteilnehmer wollen sich weiter informieren oder an konkreten Themenstellungen weiterrecherchieren. Weitere Fahrten nach Auschwitz scheinen sicher.

(Heike Küpper, ehem. Schülerin am Bergischen Kolleg)

zurueckvorwaerts

303.JPG (12167 Byte) Wie im Vorfeld der Fahrt fordert uns Bernd Küpper auf, unsere Meinung zu den gemachten Erfahrungen auf kleine Kärtchen zu schreiben.
 

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